Mittwoch, 1. Juli 2020

Kampf gegen SARS-CoV-2 im Herzen Deutschlands

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP im Deutschen Bundestag, Michael Theurer, hat am 1. Juli IDT Biologika besucht. Im Gespräch mit Geschäftsführer Dr. Jürgen Betzing und dem Leiter der Forschung und Entwicklung, Dr. Andreas Neubert, informierte er sich über die Arbeit des mittelständischen Familienunternehmens. Besonderer und äußerst aktueller Schwerpunkt war dabei die Suche nach einem Impfstoff gegen das SARS-CoV-2-Virus. Im Kampf gegen die weltweite Pandemie setzt IDT auf nationale Zusammenarbeit, internationalen Austausch und fast 100 Jahre Kompetenz in der Impfstoffforschung und -produktion.


„Der gesundheitliche und auch wirtschaftliche Nutzen eines Impfstoffes aus Deutschland wäre enorm“, betonte Michael Theurer bei seinem Besuch in Dessau-Tornau. Der Bundestagsabgeordnete, zu dessen Arbeitsbereich unter anderem die Ausschüsse für Wirtschaft und Gesundheit gehören, war keinesfalls zufällig nach Sachsen-Anhalt gekommen. Als FDP-Landesvorsitzender von Baden-Württemberg ist ihm das Engagement der Klocke Holding alles andere als unbekannt, die in Baden ihren Hauptsitz hat und der seit 1993 auch die heutige IDT Biologika GmbH angehört. Als Spross einer Apothekerfamilie sei er zudem praktisch mit Impfstoffen aufgewachsen, so der 53-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Konkreter Anlass war jedoch die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Virus SARS-CoV-2, das seit über einem halben Jahr für eine weltweite Gesundheitskrise sorgt. In enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und mit den Partnern der LMU München, der Uni Marburg und des UKE Hamburg arbeitet die IDT mit Hochdruck an einem sogenannten Vektor-Impfstoff. Dabei werden genetische Informationen eines Oberflächenbausteins des Coronavirus in ein harmloses Trägervirus eingebaut, das keine Krankheit auslöst, aber das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern anregt. „Wir können auf ein System aufbauen, das schon seit 20 Jahren klinisch erprobt ist. Wir wissen, dass der Impfstoff auch im Tierversuch Wirkung zeigt und dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber wir wissen noch nicht, ob er auch im Menschen wirkt und für die gewünschte Immunität sorgt“, fasst Dr. Andreas Neubert zusammen. Normalerweise sei in der Impfstoffforschung ein Zeitraum von zehn Jahren vom Forschungsbeginn bis zur Marktreife üblich, so der Leiter der Forschung und Entwicklung bei IDT Biologika. Die Pandemie und die internationale Zusammenarbeit machten eine deutliche Beschleunigung nötig und möglich, jedoch dürfe darunter keinesfalls die Sicherheit des Medikaments leiden. „Wenn wir im Herbst mit der Klinischen Studie der Phase I beginnen können und auch die weiteren beiden Phasen ohne Komplikationen verlaufen, gehen wir davon aus, Ende 2021 in ein beschleunigtes Zulassungsverfahren starten zu können“, so Dr. Neubert. Er warnte jedoch vor der Erwartung, dass es dann eine Impfung gäbe, die nach einmaliger Injektion für lebenslange Immunität sorge. Noch sei weder absehbar, wie lange eine Impfung immun mache, noch, wie viele Wiederholungsimpfungen dafür nötig seien.


Trotz – oder auch gerade wegen – dieser Unwägbarkeiten sei es jedoch dringend notwendig, schon jetzt die Produktionskapazitäten für den SARS-CoV-2-Impfstoff zu schaffen, waren sich alle drei Gesprächsteilnehmer einig. Denn unabhängig davon, ob die Entwicklung des DZIF mit der IDT, das Präparat eines anderen Herstellers oder auch eine Kombination verschiedener Produkte den entscheidenden Durchbruch bringen wird – letztendlich gilt es, dann auch die benötigten Impfdosen zu produzieren, die ohne weiteres im dreistelligen Millionenbereich liegen können. Und die Erfahrungen der letzten Monate haben gezeigt, dass Globalisierung hierbei eher von Nachteil ist. „Wir verfügen hier, mitten in Deutschland, über die einmalige Kompetenz, die Impfstoffherstellung von der Forschung und Entwicklung bis zum fertig abgefüllten und verpackten Endprodukt anzubieten“, machte Geschäftsführer Dr. Jürgen Betzing deutlich. Als Auftragshersteller für einen Großteil der weltweiten Pharmafirmen habe IDT das nötige Know-How und einen reichen Erfahrungsschatz. Als mittelständisches Unternehmen müssten aber natürlich auch die Aufträge der Kunden erfüllt werden, für den neuen Impfstoff werden also neue Kapazitäten benötigt. „Wünschenswert wäre eine Art Europäisches Fertigungszentrum, nicht nur im Zuge der Corona-Bekämpfung, sondern um auch zukünftig für Pandemien gerüstet zu sein“, so Dr. Betzing. „Es ist notwendig, eine europäische Impfstoffreserve aufzubauen. Das muss die Bundesregierung anpacken. Dafür werde ich mich einsetzen.“ ergänzte Michael Theurer.

Um den Herausforderungen dieser Zeit und den eigenen Ansprüchen an den Dienst an der Gesellschaft gerecht zu werden, ist das Familienunternehmen finanziell in gewaltige Vorleistung gegangen. Allein die Entwicklung und Erprobung wird rund 100 Millionen Euro kosten, mindestens noch einmal so viel soll in die Erweiterung der Produktionsmöglichkeiten fließen. Sollten alle Bemühungen um Fördermittel Erfolg haben, werden rund 80 Prozent dieser Kosten ausgeglichen. Noch jedoch fehlen diese Zusagen. „Früher war Deutschland die Apotheke der Welt. Aber wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir auch in der Biotechnologie den Anschluss verlieren. Wirtschaftlich und gesundheitspolitisch“, appellierte Dr. Betzing an die Entscheidungsträger auf Bundesebene.
Ein Appell, der zumindest bei Michael Theurer auf sehr fruchtbaren Boden fiel. Er versprach, das Anliegen der IDT und seine Eindrücke mit in seine Fraktion zu nehmen und um Aufmerksamkeit für dieses außergewöhnliche Engagement eines mittelständischen Familienunternehmens zu werben. Ein Engagement, das natürlich auch auf wirtschaftlichen Interessen beruht, vor allem aber auf dem inneren Antrieb der Familie Klocke und aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der IDT, einen wichtigen Beitrag gegen eine weltweite Bedrohung zu leisten, deren Auswirkungen auch heute noch nicht abzuschätzen sind.

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